Kommentar: | Weihrauch HW 77K mit 97er Schäftung und UTG 3-9 Compact:
Schon seit Jahren überlege ich, mir mal wieder ein Luftgewehr zu kaufen. Nach diversen Recherchen im Internet bin ich dann irgendwann bei den beiden großen Marken hängengeblieben, da ich, wenn es denn schon ein neues sein sollte, auch ein wirklich gutes Luftgewehr für den Hobbybereich kaufen wollte. Über verschiedene Internetseiten bin ich dann mal irgendwann durch Zufall auf der Seite der Firma Schlottmann gelandet, wo das von mir in die engere Wahl gezogene Weihrauch HW77 in verschiedenen Versionen angeboten wird. Durch die vielen Videos, die Herr Schlottmann auf seiner Homepage und in YouTube zur Verfügung stellt, bekommt man nicht nur eine wesentlich bessere Draufsicht auf das gewünschte Gewehr, als es jede Beschreibung liefern könnte, sondern sie machen auch einfach Lust auf das Gewehr.
So rief ich dann irgendwann mal bei Herrn Schlottmann an, um noch einige ausstehende Fragen zur technischen Beschaffenheit des Gewehres zu klären. Auch, wenn meine Fragen sicherlich über die normalen „wie-lang-wie-schwer-wieviel-km-schussgenau-Fragen“ hinweggingen, wurden diese doch sehr kompetent, freundlich und gut nachvollziehbar von Herrn Schlottmann beantwortet. So entschloss ich mich dann tatsächlich, ein HW77k im Kaliber 4,5 mm (F) mit dem angebotenen Schaft des HW 97, einem Zielfernrohr und einem dazugehörigen Schalldämpfer zu kaufen. Für den 97er Schaft habe ich mich entschieden, weil er zum einen meiner Meinung nach am besten aussieht und zum anderen nach Angaben Herrn Schlottmanns bei der Montage eines Zielfernrohres hilfreich ist, da durch die etwas höhere Schaftlage die Blickachse auf Höhe der Optik angehoben wird. Und das klappt auch ganz hervorragend! Aber ich will nicht vorgreifen…
Ich habe mir dann das Gewehr über die Homepage von Herrn Schlottmann bestellt. Statt des normalerweise zu dem Angebot gehörenden 4-fach-Zielfernrohr habe ich es mit einem UTG 3-9 Compact bestellt, da ich etwas mehr Vergrößerung haben wollte. Als besonders Positiv habe ich empfunden, dass der Bestellablauf im Kundenbereich der Homepage genau dokumentiert wird, so dass man als Kunde jederzeit die Möglichkeit hat, nachzusehen, was „sein Gewehr“ gerade macht oder wo es gerade steckt. Das macht wirklich einen sehr guten Eindruck! Durch die Bezahlung per Nachnahme wurde das Gewehr schon am nächsten Tag nach meinen Wünschen montiert und an mich verschickt. Einen weiteren Tag später hatte ich dann das Gewehr in meinen Händen. Geliefert wurde das Gewehr in zwei Kartons: Einmal die eigentliche Kartonage für das Gewehr, und darum noch einen etwas größeren Karton für den sicheren Transport. Auch hier habe ich als alter „Pingel“ mal wieder die Art der Verpackung als sehr positiv empfunden! Die kleine Verpackung in der großen mit Styropor gegen Stöße gesichert, und das eigentliche Gewehr in der kleineren Verpackung in einem Beutel und wieder mit einzelnen Styropor-Elementen gesichert. Wenn man, egal, um was für einen Artikel es sich handelt, etwas neu gekauftes in einem solchen Zustand erhält, hat man von Anfang an Freude an dieser Sache. Hier hat man wirklich den Eindruck, das Gewehr wurde mit einem gewissen Maß an Liebe zum Detail montiert und verpackt. Klasse! Als ich dann das Gewehr zum ersten Mal in die Hand genommen habe, war ich überrascht vom Gewicht und der „Masse“ des HW77k. Ich habe von der Arbeit her am Rande auch mit Waffen zu tun und habe insofern schon das eine oder andere Kaliber in der Hand gehabt. Beim HW 77k hat man das Gefühl, ein Jagdgewehr in den Händen zu halten, so massiv und wertig wirkt es. Der 97er Schaft ist so perfekt verarbeitet, dass man, auch, wenn ich mich nun wirklich nicht als Waffenliebhaber bezeichnen kann, fast das Wort „schön“ in den Mund nehmen kann. Er ist so fein detailliert gefräst, dass man unweigerlich an einen Kunststoffschaft denkt, aber nein, es ist perfekt gearbeitetes Holz. Bei einem ersten Probeanschlag und den darauf folgenden Probeschüssen habe ich mich schnell über die Entscheidung, nicht das 4-fach-Glas, sondern das 3-9er zu nehmen, gefreut. Zum einen macht das Glas von der Optik und Haptik her einen wirklich guten und zum HW 77k passenden Eindruck, zum anderen schießt das Gewehr so präzise, dass man sich selbst auf eine Entfernung von 10 Metern über diese Vergrößerung freut, da es die Präzision des Gewehres unterstützt. Wie gesagt macht das ZFR einen sehr wertigen Eindruck. Gestört hat mich nur die schwergängige Vergrößerung. Aber ich denke, dem kann man mit einer kleinen vorhandenen Inbusschraube Abhilfe verschaffen. Das Gewehr selbst lässt sich sehr gut spannen und handhaben. An die vor jedem Schuss zu betätigende Sicherung gewöhnt man sich sehr schnell, zumal der dafür zu betätigende Knopf am Ende des Kolbens problemlos aus der Schießhaltung heraus zu erreichen ist. Das Schießergebnis ist selbst mit der „F“-Version sehr gut. Auf 10 Meter 5 Schuss auf einen Kreis von 1 cm zu schießen ist selbst für jemanden, der nicht jeden Tag schießt, gut möglich. Einziger Kritikpunkt an dem Gesamtpaket HW 77k / 3-9x ZFR / Schalldämpfer ist der zuletzt genannte Schalldämpfer, der mir aus Unwissenheit um einige physikalische Vorgänge ein wenig Kopfschmerzen bereitet hat! Bei Schießversuchen mit und ohne Schalldämpfer hatte ich eine Höhenabweichung von ca. 2,5 cm. MIT Schalldämpfer auf Fleck eingeschossen, ohne Schalldämpfer dann plötzlich 2,5 cm höher. Zuerst dachte ich, die Sache mit dem verlustfreien Schalldämpfer sei doch nur ein Schwindel gewesen, aber nein, hier ist Physik am Werk, die ALLE Langwaffen betrifft: Durch Schussabgabe gerät der Lauf einer Langwaffe in Schwingung. Diese Sinus-Schwingung ist für jede einzelne Waffe charakteristisch, selbst innerhalb der Serien unterschiedlich, bei der einzelnen Waffe aber bei jedem Schuss gleich. So kommt es dann, dass trotz dieser Schwingung die Treffpunktlage immer gleich bleibt, da das Geschoss den schwingenden Lauf immer zum gleichen Zeitpunkt verlässt. Wenn man nun aber einen Schalldämpfer aufschraubt, verändert sich das Gewicht des Laufes, was Auswirkungen auf die Amplitude der Schwingung hat. Dadurch befindet sich die Mündung beim Austritt des Geschosses an einem anderen Punkt der Schwingungsbahn und hat entsprechend eine andere Treffpunktlage. Eigentlich ganz logisch – man muss es nur wissen. Dann erspart man sich auch die Verärgerung über den zunächst augenscheinlich vorherrschenden Mangel. Also: Waffe entweder MIT Schalldämpfer einschießen, oder eben OHNE. Und dann auch weiter so verwenden, wenn man auf Präzision aus ist. Von der Dämpfungsleistung des Schalldämpfers bin ich nicht so begeistert. Wenn man sich den Dämpfer mal genauer ansieht, wird auch schnell klar, dass man von dem einfachen Aufbau keine Wunder erwarten darf. Aber immerhin nimmt er die Schärfe aus dem Schussgeräusch, da die hohen Frequenzanteile gut gedämpft werden. Bedenken muss man aber, dass die Mechanik des Gewehrs ja auch noch da ist, und die Feder nun mal nach wie vor durch den Kolben rauscht. Wirklich leise macht so ein Schalldämpfer ein Luftgewehr nicht, aber das ist bauartbedingt bei einem Federdruckgewehr auch nicht möglich. Ich werde mir den Dämpfer mal irgendwann vornehmen und ein wenig aufmotzen. Mal sehen, was aus der Grundkonstruktion herauszuholen ist. Das Problem, das von einigen beschrieben wurde, dass sich der Dämpfer immer mal wieder löst, kann ganz einfach mit einem Kleks Schraubensicherung behoben werden. Dadurch wird das Gewinde merklich schwergängiger und der Dämpfer sitzt nachhaltig fest. In einem Telefonat hat mir Herr Schlottmann gerade gesagt, dass eine einfache Lösung in Form eines Hartgummiringes in Arbeit sei. Zusammenfassend kann ich sagen, dass man mit dem Paket Weihrauch HW 77k / UTG 3-9 Compact ein SEHR GUT harmonierendes Luftgewehr bekommt, dass nicht nur einen auffallend Hochwertigen Eindruck macht, sondern auch noch hervorragende Ergebnisse liefert. Über Sinn und Zweck des Dämpfers kann man geteilter Meinung sein – Dabei ist er nun mal. Eine ganz klare Kaufempfehlung für jeden, der nach einem Luftgewehr für die nächsten 30 Jahre sucht!
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